Unternehmerin Opfer von Stalking - rechtsstaatlich Mittel gehen ins Leere

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Unternehmerin Opfer von Stalking - rechtsstaatlich Mittel gehen ins Leere

Falsche Richtung
Veröffentlicht in Politik/Gesetzgebung · 7 Juli 2021
Tags: StalkingRechtsstaatSchutzBürger
Der folgende Fall ist einem Artikel der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vom
18. April 2021, Seite 22, entnommen.

Unter dem Titel „Die Tortur einer Unternehmerin“ schreibt Georg Meck für die FAS über Marie-Christine Ostermann, Unternehmerin und langjährige Bundesvorsitzende der jungen Unternehmer, die seit Jahren von einem Stalker eingeschüchtert und bedroht wird, ohne dass sie sich mit den Mitteln des Rechtsstaates dagegen wehren kann.

Seit sieben Jahren ist Frau Ostermann dem Stalker, ein Ende 50jähriger Harz-IV-Empfänger aus Leipzig, ausgesetzt. Sie hat inzwischen tausende E-Mails mit Heiratsanträgen, sexuellen Anspielungen und immer bedrohlicherem Ton von dem Mann erhalten. Dazu kommen fast täglich Pakete von dem Stalker in die Firma oder an die private Adresse, mal mit teils harmlosem Inhalt, mal mit Bildern von Nazi-Gräueln, IS-Terroristen, abgehackten Frauenköpfen und ähnlich angsteinflößenden Dingen.

Als Frau Ostermann zunächst zur Polizei geht, wird ihr gesagt, man können nichts für sie tun, Ihre Strafanzeige gegen den Stalker wird abgewiesen, da keine „schwerwiegende Beeinträchtigung“ vorliege. Es ist ja nichts passiert.

Frau Ostermann geht den juristischen Weg und setzt mit der Zeit eine „Gewaltschutzanordnung“ durch.

Der Stalker wird zu einigen Monaten Haft verurteilt, stalkt aber aus dem Gefängnis weiter, indem er Briefe schreibt und auf der privaten Handynummer anruft. Den Beamten im Gefängnis hat er erzählt, Frau Ostermann sei seine Schwester.

Nach der Haft geht das Stalking von dem Mann unverändert weiter.

Frau Ostermann hat inzwischen viele tausende Euro für Anwälte und Ärzte ausgegeben. Sie leidet unter Tinnitus und Angstzuständen.

Nach weiteren langwierigen Gerichtsprozessen, weiteren Kosten und Leiden für Frau Ostermann, wird ihr Verfolger zu weiteren 14 Monaten Haft verurteilt. Da er inzwischen Besserung gelobt hat, wird er aus der U-Haft entlassen und legt Revision gegen das Urteil ein.

Frau Ostermann hat Angst, dass er ihr nachstellt und versteckt sich an einem unbekannten Ort.

Das Urteil wird in der Zwischenzeit, im Herbst 2020, rechtskräftig. Bis April 2021 ist der Stalker immer noch auf freiem Fuß und stalkt Frau Ostermann unverändert weiter.

Der Stalker aus Leipzig ist seit Jahren einschlägig vorbestraft und belästigt auch andere Politikerinnen. Er terrorisiert aber keine so intensiv und so lange wie Frau Ostermann.

„Ich hatte auf den Rechtsstaat gehofft und wurde massiv enttäuscht“ sagt die Anfang 40jährige Unternehmerin, die ihr Großhandelsgeschäft führt nebenbei im Aufsichtsrat von Fielmann sitzt.

Da Frau Ostermann offen darüber spricht, erfährt sie viel Zuspruch und es melden sich viele Leidensgenossinnen.

Laut einer Studie, auf die sich die Bundesregierung beruft, werden mindestens elf Prozent - in Zahlen: 11 % - der Bevölkerung mindestens einmal im Leben Opfer von Stalkern. Meistens sind es Frauen.

Das Problem ist der Bundesregierung und den Gerichten also bekannt.

Stalking verändert die Lebensqualität der Opfer massiv, es kann das Leben von Menschen zerstören.
(Hinweis: Der oben geschilderte Fall ist einem Artikel der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vom 18. April 2021, Seite 22, entnommen.)

Für „Falsche-Richtung“ stellen sich - unter anderem - folgende Fragen:

Warum schützt der Gesetzgeber, dem die Problematik bekannt ist, seine Bürger nicht besser durch entsprechende Regelungen, die greifen, bevor etwas passiert?
(11% der Bevölkerung sind im Lauf ihres Lebens mindestens einmal von Stalking betroffen!)

Wenn es einer Person wie Frau Ostermann, mit hohen intellektuellen wie finanziellen Mitteln, nicht gelingt, sich mit Hilfe des Rechtsstaates gegen diesen zerstörenden Terror zur Wehr zu setzen, wie ergeht es dann Bürger mit durchschnittlichen Möglichkeiten?

Warum dauert es, wenn sich jemand mithilfe von Gerichten wehrt, so zermürbend und quälend lange, bis es ein Urteil gibt?
Warum fallen die Urteile für das Zerstören des Lebens eines Menschen so mild aus?

Warum läuft der verurteilte Stalker nach dem rechtskräftigen, milden Urteil noch jahrelang frei herum und kann weiter stalken?
Warum schützt die Polizei Opfer von Stalkern nicht - im Rahmen der bestehenden Reglungen - besser, sondern weist diese mit der Begründung, es sei noch nichts passiert, ab?

Wie sollte den Menschen, die stalken, geholfen werden, von Ihrem krankhaften Verhalten loszukommen und mit Ihrer psychischen Krankheit umzugehen?

Kennen Sie solche Situationen? Was sagen Sie dazu? Was muss sich ändern, damit die Opfer von Stalking besser und schneller von ihren Peinigern geschützt werden?

Was können wir tun, damit sich diese Dinge wieder in die richtige Richtung entwickeln?
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Erzählen sie Ihren Freunden von dem Thema:
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1
Rezension

Enibas
12 Jul 2021
Für mich sticht bei dem Beispiel besonders heraus, dass es ewig dauert und oft genug nicht ausreichend ist, bis bzw. wie Opfer geschützt werden. Keiner will eine Opferrolle - aber wenn jemand wirklich Opfer ist, muss das doch schwerer wiegen! Das betrifft Stalking genauso wie sexuelle Gewalt oder auch "nur" Einbruch. Vor allem, wenn die Beweislage so dermaßen klar ist. Guckt halt hin!
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